Perfect Days — genug in einem Tag finden
Wim Wenders macht einen Alltag sehenswert. Ruhig, warm und von einer wunderbaren Darstellung Koji Yakushos getragen.
Wim Wenders macht einen Alltag sehenswert. Ruhig, warm und von einer wunderbaren Darstellung Koji Yakushos getragen.

Spoilerfreie Rezension.
In Perfect Days muss wenig passieren, damit eine Szene funktioniert. Eine Kassette wird eingelegt, Sonnenlicht fällt durch Blätter, jemand macht Mittagspause. Das klingt beschrieben fast zu schlicht. Beim Zuschauen zählen die kleinen Unterschiede.
Wim Wenders folgt Hirayama, der öffentliche Toiletten in Tokio reinigt, mit Geduld. Die Routine gibt Form, reduziert ihn aber nicht auf liebenswerte Gewohnheiten. Hinter dem ruhigen Gesicht liegt ein privates Leben, das Koji Yakusho spürbar macht, ohne es auszuerklären.
Die Regie gefällt mir am besten. Wenders weiß, wann er eine Einstellung stehen lassen kann. Gewöhnliche Arbeit bekommt genug Zeit, interessant zu werden. Ein veränderter Ausdruck leistet mehr als eine Rede. Die Musik sind Lieder, mit denen jemand lebt, statt Gefühlsanweisungen.
Man muss sich auf das Tempo einlassen. Wer auf eine größere Handlung wartet, findet manche Passagen womöglich wiederholend. Für mich macht gerade die Wiederholung die Unterbrechungen bedeutsam.
9/10. Ein Film, der das Gewöhnliche wertvoll macht, ohne das Leben einfach zu nennen. Yakushos Wärme wird nie süßlich.
Regie: Wim Wenders · 2023 · Japanisch. Filminformationen: NEON. Plakatgestaltung © der jeweiligen Rechteinhaber.
Wim Wenders macht einen Alltag sehenswert. Ruhig, warm und von einer wunderbaren Darstellung Koji Yakushos getragen.
— Desly